Presse

Ils en parlent.

Les journalistes qui suivent mon travail racontent souvent mieux que moi ce qui se passe pendant une séance. Voici leurs textes, dans leur version d'origine.

Schaffhauser Nachrichten27 août 2026

Sein Lachen ist sein Wunderstift

Er besitzt einen schnellen Stift, drei Minuten, dann hat Pascal Coffez ein Porträt gezeichnet. Vorausgesetzt, sein Lachen, sein Temperament, seine Musik und seine Lebensfreude wirken ansteckend.

Text : Andreas Schiendorfer · Bilder : Jeannette Vogel

Pascal Coffez, seit 2013 mit dem Zeichenstift für die «Schaffhauser Nachrichten» tätig, redet schnell, mit charmantem französischem Akzent. Im ersten Moment wirkt alles etwas wirr. Aber sehr bald merkt man, es geht ihm nicht um seine Biografie, es geht um seine Philosophie, die er unbedingt vermitteln möchte, sich beständig wiederholend. Vielleicht, weil sie so völlig anders ist, als man sie von einem politischen Karikaturisten erwarten würde. Dieser muss ja Woche für Woche den Finger auf wunde Punkte der Gesellschaft legen. «Das entspricht aber nicht meinem Wesen als Künstler und als Mensch. Eigentlich möchte ich niemandem wehtun», erklärt Pascal Coffez. Jemanden nur aufgrund seines Aussehens, seiner Hautfarbe oder seiner Religion mit einer Karikatur aufs Korn zu nehmen, ist nicht sein Stil. Seine Kritik setzt er in aller Regel sehr behutsam an, mit einem eigenen, sympathischen Schalk, wie es früher, auf eine ganz andere Art, Fritz Bünzli mit seinem Mäuschen getan hat.

Ein vielseitiger Autodidakt

Eigentlich ist man versucht, ihn einfach Pascal zu nennen, doch Coffez ist nicht nur sein Familien-, sondern auch sein Künstlername. Coffez also lacht regelmässig, lacht laut, lacht eindringlich, lacht ansteckend. Vor allem, wenn man gleichzeitig seinem Blick begegnet, und das verlangt er, wenn man von ihm gezeichnet werden will.

«Man muss mit mir kommunizieren, dann geht es sehr schnell, schwupps, ich fange einen Schmetterling und bringe ihn auf das Papier.»

«Aber ohne dieses Miteinander versagt mein Stift, ein Porträt nach einem Foto, damit tue ich mich unheimlich schwer.»

Geboren ist Coffez in Nordfrankreich, in einem kleinen Kaff namens Sainghin-en-Weppes in der Nähe von Lille. «Oft bin ich dort vor der École des beaux-arts gesessen, aber ich habe mich nicht getraut, die eindrucksvollen Marmortreppen hinaufzusteigen», blickt der SN-Karikaturist zurück. Er hat zwar von Kind auf gemalt und gezeichnet, aber nie Kunstunterricht genossen. «Das ist insofern speziell, da ich später im Leben an der Kunstschule Winterthur einige Jahre unterrichtet habe.»

Als Autodidakt hat er für französische Zeitungen gearbeitet sowie als Cartoonist für Firmenkunden und auf belebten öffentlichen Plätzen. 2004 ist er in die Schweiz nach Uhwiesen gekommen, hat am Rheinfall und auf Schloss Laufen gezeichnet und seit 2007 auch für die «Andelfinger Zeitung». Bis 2023 zauberte er für sie den «Coffez der Woche» aufs Papier. «Das Weinland hat mich inspiriert, ich habe gezeichnet, was ich dort erlebt habe, beim Hilari beispielsweise.» Daneben habe er weiterhin bei Firmenanlässen gezeichnet, aber auch beim Schloss Laufen, «wo man mich vielleicht schon einmal gesehen hat».

Es geht um Emotionen

Und wenn nicht gesehen, dann wenigstens gehört. Denn sein Porträtieren ist ein telegenes beziehungsweise ein bei Instagram beliebtes Spektakel, immer läuft Musik. Coffez hüpft und tänzelt um die darzustellende Person herum, bis diese sich ganz vergisst und ebenfalls tanzt, lacht, singt und dabei ihr Innerstes preisgibt. Das wiederum erhascht Coffez im Nu, eben wie den Schmetterling, und bringt es auf das Papier. Er strebt also nicht ein fotografisch genaues Porträt an, sondern eines, das zeigt, was er in diesem Moment des Miteinanders gesehen und gefühlt hat. Und als i-Tüpfelchen setzt er den porträtierten Damen ein Krönchen aufs Haupt. Emotionen pur.

Besucht man seine zweisprachige Webseite, dann wird beim ersten Klick klar, worum es geht: Joy beziehungsweise Freude. Angeboten wird nichts weniger als eine Live-Porträt-Show. «Die Webseite und den Instagram-Account hat mein Sohn Nicolas gemacht, mit dem ich hervorragend zusammenarbeite. Wegen ihm bin ich vor einiger Zeit nach Bern gezogen. Aber dem Weinland bleibe ich für immer verbunden, zumal mein anderer Sohn Manuel noch in Schaffhausen wohnt.»

Der Maler Don S.

Weil das Porträtieren im Freien in Bern kaum möglich ist – man darf wegen des Betteleiverbots nie länger an einem Standort verweilen –, ist er vor Kurzem weiter nach Montreux gezogen. Dort hat er mit Cécilia Harris seine grosse Liebe gefunden. Sie habe in ihm eine neue Offenheit in Bezug auf ein weiteres künstlerisches Standbein bewirkt. Im Jahr 2020 hat er in seinem Atelier im Schloss Laufen plötzlich – wie Sternschnuppen – fertige Bilder vor sich gesehen, eine ganze Serie, erzählt er.

«Ich habe gespürt, dass ich eigentlich ein Maler bin. Doch mit Öl zu malen, dauert mir zu lange, bei mir muss auch dies schnell, schnell gehen.» Er habe dann seine Bildvisionen zunächst kleinformatig festgehalten. Und dann in einem komplexen fotografischen Belichtungsverfahren umgesetzt. Das so entwickelte Bild kommt später unter Plexiglas auf einen Aluminiumträger. Jedes Bild ist ein Unikat. «Die Schöpfung ist handgemacht. Die Offenbarung durch das Licht und die Montage erfolgen im Atelier», erklärt Don S. alias Pascal Coffez. «Ich habe die Bilder jahrelang niemandem gezeigt ausser zwei englischen Kuratorinnen. Nun aber bin ich bereit, auch diese andere Seite von mir mit der Öffentlichkeit zu teilen.» Zu sehen sind die Bilder bereits auf einer Webseite, möglich werden könnten nun auch Ausstellungen.

Und Coffez weiss auch, wie eine zukünftige Vernissage ablaufen würde: «Ein Ausstellungsraum wäre ganz leer, und ich würde ihn füllen mit 3-Minuten-Porträts der Vernissagegäste …»

Schaffhauser Nachrichten, 27 août 2026 · Texte : Andreas Schiendorfer · Photos : Jeannette Vogel · Reproduit avec l'aimable autorisation de la rédaction.

Schaffhauser Nachrichten5 septembre 2026

First Friday bei den SN

«Einmal ehrlich hinschauen» — Pascal Coffez hielt den Gästen am First Friday den Spiegel vor.

Bilder : Roger Hofstetter